Nach Wochenlangem „stillstand“ oder wie ich auch wahrheitsgemäß sagen könnte „meinem Urlaub vom Urlaub“ in Boa Esperança ging es vor zwei Wochen wieder los mit dem Reisen. In aller früh um halb fünf am Morgen verließ ich auf meiner 450er nach einem herzlichen Abschied der Familie Tkacz, meiner dort ansässigen Verwandtschaft, die Stadt und machte mich über São Paulo ins 800km entfernte Curitiba um dort ein letztes Mal, kurz andere Verwandte zu besuchen.
Ich war an jenem Tag so glücklich wieder auf dem Motorrad zu sitzen das ich genau einmal anhielt in diesen 800km und zwar um zwei Minuten den Bock vollzutanken 😄
Angekommen in Curitiba wurde ich herzlich empfangen und genoss eine letzte Woche die Vorzüge eines zu Hauses in der europäischsten Stadt die ich bis jetzt in Brasilien gesehen habe.
Sehr lustig ist auch das hier jeder zweite „Schneider“ oder „Schmid“ heißt und deutsch spricht. Nirgends in Brasilien gab es so viele deutsche Auswanderer, die nach dem Weltkrieg hier her kamen und die Kultur und Sprache wurde wohl bis heute übernommen. Ein witziges Gefühl wenn man in Brasilien ist und deutsch gesprochen wird auf den Straßen. Fühlt sich irgendwie nicht richtig an 😄
Ein lustigen Abend hatte ich mit meinem Cousin in Curitiba. In einer Kneipe die einem großen Motorradfan gehört musste ich natürlich unbedingt mit meiner Rally Vorfahren. Das fand auf jeden Fall mein Cousin obwohl ich meine Maschine lieber einschließe und vor zu viel Publikum schütze…
naja wird schon nichts schief gehen dachte ich.
Nach einigen Bier und einigen Shots „Brazilberg“ dem brasilianischen Underberg meinte der ortsansässige Pastor er müsse sich auf meine Rally setzen. Um Gottes Willen… es kam wie es kommen musste und der kurzbeinige Pfaffe lag mit meinem Motorrad auf der Nase und mein einziger Spiegel am Moped zerbrach in Stücke. An und für sich ja eigentlich nicht so lustig. Ich konnte mich dann aber trotzdem nicht mehr halten als er mir erklärte, nicht er war es der fiel und den Spiegel zerbrach, es war der Wille Gottes. So überlies ich dann unter großem Gelächter der ganzen Bar meinen kaputten Spiegel Jesus. Im gebührt er jetzt ja schließlich auch… 😂 …siehe letztes Foto unten 😉
Nach Curitiba ging die Reise schließlich weiter nach Florianopolis. Meine zweite Insel auf dieser Reise. Nur dieses Mal auf der anderen Seite dieses riesigen Kontinents in einem anderen der sieben Weltmeere.
Es ist ein geiles Gefühl wenn man zurück schaut und sagen kann ich bin über diesen Kontinent gefahren und gucke jetzt quasi in die andere Richtung der Welt wenn ich aufs Meer hinaus schaue. Ich weiß nicht warum… aber ich bekomme Gänsehaut wenn ich daran denke.
Ebenfalls in Florianopolis traf ich einen alten originalen „Griessemer“ der vor zwanzig Jahren ausgewandert ist. Nachdem ich alle Grüße von seinen alten Freunden aus meinem Heimatdorf Griessen gesendet habe war ich erschrocken mich dabei zu erwischen in diesem Inselparadies das erste mal seit knapp sechs Monaten das aller tiefste „Griessemerdütsch“ zu schwätzen 😉 Aber es funktioniert doch noch ganz gut! 😄👍
Nach zwei Tagen auf der Insel geht die Reise weiter in Richtung Foz du Iguacu… nach einer Fahrt durch den Staat Santa Catarina endete ich kürzlich damit mich etwas zu verfahren und entschied mich kurzerhand nach Kompass Richtung einer großen Straße querfeldein durch den Wald zu fahren. Nach circa 15km enduro fahren stieß ich auf einen Bauernhof. Da ich eh eine bleibe suchte fragte ich kurzerhand den Bauern ob er einen Zeltplatz für mich hätte… kurzerhand bot er mir an in seiner Scheune zu übernachten und versorgte mich mit köstlichem Fleisch und Speisen vom Hof die hier so biologisch und Fairtraded sind, dass sie in Deutschland bestimmt verboten wären… Strom gibts hier nicht und man Kocht auf dem Feuer.
Aber wie man sieht… man würde auch ohne Plastikverpackungen, perfekten Kühlketten und ISO Normen überleben. Das weiß nur wohl keiner 😉
An dieser Stelle übrigens eine großes Dankeschön an Julia Hoch, Mike Guida und Johannes Berna, die mir in weiser Voraussicht ein Fläschchen Jägermeister zum Abschied schenkten das die letzten 23’000 km meiner Reise in der Tasche auf diesen großen Tag wartete. Bier macht nämlich ohne Kühlschrank auf diesem Aussiedlerhof leider nicht so viel Sinn und ich hatte keines mehr im Gepäck.
Zum Wohl und danke 😉
Damit so viel von meiner Seite! 🙂 ich hoffe allen meinen Freunden gehts mindestens so gut wie mir! Bis bald und Grüße aus Pato Branco!








