Nun soll es also so weit sein… nach einem halben Jahr ständig auf Achse, oder halt eben auf zwei Achsen, neigt sich meine Reise nachdem ich den Süden Brasiliens und halb Argentinien durchquert habe dem Ende entgegen. Aber nicht ohne vorher noch einmal auf alles erlebte zurück zu schauen und über dass, das man gesehen hat nachzudenken und seine Schlüsse daraus zu ziehen.
Bei so viel erlebten, guten und schlechtem, könnte ich jetzt stundenlang schreiben. Stuuuuuuunden. Lieber ist mir aber ich behalte das ein oder andere für mich und mache mir meine eigenen, persönlichen Gedanken. Bestimmt werden meine Freunde noch genug Geschichten von mir zu hören bekommen. Mit Geschichten habe ich meinen kleinen Rucksack des Lebens jetzt auf jeden Fall vollgepackt und das kann mir kein Mensch mehr nehmen und kein Mensch nachempfinden, was ein großartiges und beflügelndes Gefühl ist.
Auf jeden Fall bleibt am Schluss zu sagen das ich in meinem ganzen Leben noch nicht so viel gelernt habe wie in dieser Zeit alleine, nicht in der Schule, nicht in der Lehre und auch nicht sonst bei irgend etwas. Mit dem Wissen etwas einmaliges erlebt zu haben ist man an sich selbst gewachsen. Das glaube und fühle ich zumindest.
Viele Dinge sieht man nun in einem anderen Blickwinkel und ich denke vieles werde ich nach meiner Reise bewusster wahrnehmen und einen anderen Blick auf Dinge werfen… aber das steht noch in den Sternen und muss ich selbst heraus finden.
Mit großem Stolz kann ich jetzt auf jeden Fall mal ein paar große Zahlen und Fakten raushauen! 😉
Insgesamt bin ich in in 176 Tagen, das sind plus minus sechs Monate stolze 27’000 Kilometer mit meinem Motorrad durch die vier Länder Chile, Argentinien, Bolivien und Brasilien gefahren. Dabei habe ich circa, teilweise sehr hart erkämpfte (Bolivien) 1’350 Liter Benzin verbrannt. Die längste Strecke ohne von meinem Motorrad abzusteigen, nicht mal beim tanken, betrug dabei 922km (Arsch ade). Beim fahren durch diesen unglaublichen Kontinent habe ich insgesamt acht mal eine Grenze überquert und musste dabei nur einmal die Zöllner schmieren. Bleiben wir beim Thema… die netten Jungs von der Argentinischen Polizei haben mir durch versuche an Schmiergeld zu kommen insgesamt 225€ in vier verschieden Währungen abgenommen. Zusammengerechnet mit dem Bolivianisch / Brasilianischem Zoll währen wir bei insgesamt 305€ verschenktes Geld für den guten Willen der Behörden.
Zurück zu meiner Rally… in meinen gefahrenen Kilometern habe ich fünf mal einen Ölwechsel machen müssen, das macht insgesamt acht Liter, teils aus Deutschland eingeflogenes (Danke Petit), feinstes Schweizer Motorenöl. Laut dem Betriebsstundenzähler an meinem Motorrad fuhr ich diese 27’000km in 322,6 stunden. Im Klartext heißt dass, ich saß 13,4 Tage nur auf meinen Motorrad. Das sind knapp zwei Wochen Tag und Nacht nur fahren. Und das mit nur einem neuen Hinterreifen. In diesen zwei Wochen Fahrzeit hatte ich genau zwei Pannen – beides mal selbst verschuldet. Einmal einen platten Reifen am aller ersten Tag meiner Reise, einmal eine tropfende Gabel wegen mangelnder Pflege. Gott beschütze KTMs Ingenieure. 😉
Während meinen sechs Monaten in Südamerika war ich circa fünf Wochen krank, zweimal im Krankenhaus und musste drei mal Antibiotika einnehmen. Ich habe während der Fahrzeit auf meinem Motorrad vier Hörbücher gehört und gefühlt dreizehn mal meine gesamte Musikmediathek 😉 apropos hören. Mein Motorrad ist unter Volllast lauter als ein startender Kampfjet und löst in Südamerika jegliche Art von Autoalarmanlagen aus. Jegliche. Den Einheimischen Leuten gefällst meistens – meinen Tinnitus nicht.
Auf meiner Reise habe ich bis zum heutigen Tage 5684 Fotos geschossen und 287 Videos gedreht. Ich habe auf meiner Reise seltsamer Weise trotz teilweiser, wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke unglaublich leichtsinniger Fahrweise, keinen einzigen Unfall gehabt, jedoch bin ich an drei schwere Unfälle heran gefahren die alle tödlich endeten einmal für eine junge Familie.
Ich muss zugeben, ich habe unter meinem Helm unzählige Male alleine gelacht, geschrien und geflucht und geheult aber noch viel mehr habe ich über Dinge nachgedacht und sie, so glaube ich auch endlich verstanden.
Dafür danke ich…! Dafür danke ich viel, viel Mals. Vor allem meinen Eltern und meiner Familie die mir so etwas ermöglichen und mir schon mein ganzes Leben helfen und unterstützen bei allem das ich tue. An alle Menschen mit denen ich hier eine wundervolle Zeit hatte. Vor allem meinem Vater und Mages, die mir quasi den Start in diese Reise bereitet haben. An alle die ich kennen gelernt und lieb gewonnen habe auf meiner Reise und mit denen ich eine unglaubliche Zeit gehabt habe und hoffentlich auch bald mit den ein oder anderen wieder haben werde. An meine Verwandtschaft in Brasilien bei denen ich wochenlang umsonst hausen und essen konnte. Auch den Jungs von KTM Santiago, vor allem Ari-Dan, die mir immer eine große Hilfe gewesen ist, bei allem im Zusammenhang mit meinem Bike. Jorge von Mototematicos Chile, der sich ständig nach mir und meinem Wohlergehen erkundigt hat und der mir durch seine Erfahrung viel mit auf den Weg geben konnte und mir tolle Plätze empfehlen konnte! Danke an Frank, durch dich konnte ich das großartigste Motorrad, dass ich je besessen habe erwerben und außerdem natürlich auch für alles andere. 😉
Nicht zuletzt auch ein Danke an David von Enduristan der mir seine top designten Gepäcksysteme überlassen hat, die mein Hab und Gut sicher durch die schönsten und entlegensten Orte der Welt getragen haben.
So viel von meiner Seite meine Freunde… man sieht sich hoffentlich bald zur welcome home Party 😉
Bis dahin allen einen schönen Sommer während ich die letzten Tage im kalten Chile zubringe um mein Motorrad nach Hause zu schicken. Genug Zeit um alles nochmal Revue passieren zu lassen und euch noch ein letztes mal die Bilder aus meiner tollen Welt zu zeigen bevor es irgendwann in den nächsten Wochen in den Flieger nach Hause geht!










