Erlebnisse die einem unter die Haut gehen.
Knapp die ersten 3000 Kilometer haben wir in den letzten zehn Tagen schon abgespult. Ebenso leben wir seit diesen zehn Tagen mit und in unserem Defender. Tatsächlich kann ich euch sagen, dass sich das Leben ganz schön auf den Kopf stellt, wenn man plötzlich zu zweit auf circa vier Quadratmetern (wohnen, schlafen, kochen, fahren 😉 )alles unterbringen muss. Dennoch, im Moment möchte ich mit keinem Penthaus in keiner noch so schönen Altstadt tauschen – ich fühle mich hier genau richtig und großartig, auch wenn man viele Abstriche und Kompromisse eingehen muss, vor allem beim reisen zu zweit.
Als wir vor zehn Tagen in Montevideo losgefahren sind ahnten wir noch nicht wie schnell man so viel in so kurzer Zeit erleben kann. Aber gerne lasse ich euch an einigen Auszügen teilhaben.

Nachdem wir unser nasses Nachtlager in der Grenzstadt Gualeguaychú hinter uns gelassen haben erfreuten wir uns besten Wetters. Dieses sollte uns auch die nächsten Tage noch begleiten. Der Wegesrand ist über hunderte Kilometer sehr ähnlich, wenn nicht zu sagen genau gleich. Guter Asphalt, Telefondraht mal links, mal rechts, Kuhweiden und abertausende Rinder. Irgendwo muss das hervorragende Fleisch ja herkommen…
Die ersten Tage waren daher reine Kilometerfresser. Wir saßen morgens ins Auto um einfach weiterzufahren, ein wirkliches Ziel im oberen Süden hatten wir nicht wirklich und Buenos Aires haben wir ja schon zuvor besucht. Wir fuhren also bis wir müde wurden und steuerten dann einen Platz an um die Nacht zu verbringen. Viel Zeit für Gespräche, Planung und Gedanken die man sich zu allem Möglichen machen kann.



Aus Langeweile fängt man an Rinder zu zählen… man verliert aber rasch den Überblick und kümmert sich um diejenigen Rinder die in den am Straßenrand gelegen “Parillas” (Grills) zubereitet werden. 😉
Eins unser ersten Wildcamps dieser Reise war am Lago la Salada. Eine unscheinbare Salzlagune am Rande eines kleines Dorfes. Überrascht wurden wir hier von hunderten Flamingos, die uns unser Abendessen in der Dämmerung versüßten.



Weiter ging es schließlich in den nächsten größeren Ort. Las Grutas ist ein Touri Ort und sehr belebt – das jedoch erst ab Dezember. Als wir erwartungsvoll eintrafen, fanden wir nur verammelte Läden und Restaurants vor. Drei der vier Campingplätze waren ebenfalls geschlossen. Die Auswahl der Bleibe für diese Nacht fiel uns also nicht schwer. Das wir unsere Wahl später noch bitter bereuen werden wussten wir in diesem Moment noch nicht.
Wir vertrieben uns die Zeit derweil mit einem Spaziergang über den wunderschönen Strand von Las Grutas. Dieser liegt hinter einer steilen Felswand in der hunderte Papageien nisten. Sie schwirren in riesigen Formationen über unsere Köpfe während wir durch die enormen Findlinge am Strand durch den Sand spazieren.




Nach einem Abendessen in einem der einzigen offenen Restaurants ging es zurück zum Campingplatz. Dort angekommen stellten wir fest, dass der Campingplatz wieder einmal zum Festgelände umfunktioniert wurde. Was um elf Uhr Abends noch nach einem normalen Grillfest aussah, entwickelte sich mit jeder Stunde zu einer wüsteren Party. Mit jeder minute wurde die Musik etwas lauter und Argentinische Folklore plärrte über den ganzen Platz. Die letzen “Gäste”, wenn man diese so nennen kann trafen um fünf Uhr morgens ein. Als um sechs Uhr ein Besoffener Gaucho neben unser Auto pisst platzt mir der Kragen. Ich reiße Ju aus den Federn, breche die Zelte ab und fahre ohne eine Minute geschlafen zu haben los. Entlang der Strasse fallen mir fast die Augen zu. Trotz enormen Windböen in der Pampa halte ich nach einer Stunde fahrt an und lenke das Auto in eine kleine Bucht. Wenigstens ein paar Minuten Schlaf bevor es weiter ans nächste Ziel geht. Wir lernen daraus, selbst an einem Dienstagabend ist man vor der Party-Wut der Argentinier nicht geschützt.
Durch einen Tipp von einem bekannten bekamen wir Wind von der Península Valdez. Eine Halbinsel die bekannt dafür ist Seerobben, Pinguine, Gürteltiere, Guanacos, Schafe, Nandus, Hasen, Klapperschlagen und so weiter, vor allem aber auch Orca Wale zu beheimaten. Abends im Camp auf der Halbinsel angekommen bin ich heilfroh als es ruhig ist und weit und breit keine Musik zu hören ist. Das Camp ist voll mit anderen Overlandern. Wir lernen an diesem Abend viele nette Leute aus der ganzen Welt kennen, vor allem aber Schweizer und Deutsche die ebenfalls in Südamerika unterwegs sind.
Für den nächsten morgen haben wir uns mit Mike, einem Südafrikaner der ebenfalls im Land Rover unterwegs ist verabredet. Wir wollen pünktlich zur Flut am Waal-Hotspot sein. Um fünf Uhr morgens also aus den federn und los gehts an die Küste.


Die fahrt in der Morgendämmerung war wunderschön. Wir hatten tatsächlich Glück. An diesem morgen ist ein Orca Männchen an der Küste zu sehen. Um 6.20 Uhr ist er für etwa fünf Minuten in nördliche Richtung patrouilliert – unser Pech ist, dass wir erst um 6.27 Uhr angekommen sind. Schlechte Laune hatten wir deswegen trotzdem nicht. Wir sollten an diesem Tag noch allerlei anderes Getier zu Gesicht bekommen. Unter andrem auch ein Glattwal-Pärchen oder urkomische Gürteltiere die mit uns nicht zum letzten mal auf Tuchfühlung gehen sollten.









Nach zwei Nächten auf der Halbinsel mit tiefem, ungestörten Schlaf ging es weiter zu einem weiteren Tipp den wir bekommen haben. So verbrachten wir die nächste Nacht an einem verborgenen Strand und konnten unser Glück kaum fassen vor lauter Schönheit die wir vorfanden. Wir genossen unser feines Abendessen mit Aussicht und befanden für uns beide, dass kein Horror-Camping Platz schlimm genug sein könnte um einen die gute Laune an diesen Traumdestinationen zu vermiesen. Geweckt wurde ich in jener Nacht nur von einem seltsamen Geräusch das von unter unserem Auto zu kommen scheint. Etwas verängstigt strecke ich den Kopf aus dem Seitenfenster als ich dann lachend ein Gürteltier sehe, dass sich an unserem Mülleimer vergeht, den ich draußen vergessen hatte.




Über die Pinguin Kolonie Punta Tombo ging es weiter über die RN1 in Richtung Camaronês. Hunderte Kilometer harter Piste hat unser Landy bis jetzt einwandfrei weggesteckt. Auch wenn unser Hab und Gut auf den Waschbrettpisten ganz schön durchgeschüttelt wird.

Von Ushuaia trennen uns unterdessen, Luftlinie, nur noch 1100 Kilometer – das merken wir vor allem an der Temperatur die Nachts gerne mal auf fünf grad runter geht und an den Starken winden. Für nächste Woche ist Schnee angesagt. Wir beide lassen uns nicht beirren und fahren mit einem grinsen im Gesicht immer weiter Richtung SÜDEN.
Geschrieben am 11.November 2023 in Camaronês,
David & Juliane.
Atemberaubende Bilder, spannender Reisebericht…freue mich aufs nächste mal! Viel Spass, Glück und gute Fahrt!
LikeLike
Sehr interessanter Reisebericht mit tollen Fotos.
Krieg fast ein bissle Fernweh…
LikeLike
Abenteuer pur! 😀
LikeLike