Unbeschreibliche Schönheit und unvergessliche Erlebnisse.
Nach einer der windigsten Nächte überhaupt in Patagonien stellen wir am nächstem morgen überrascht fest, dass es nicht immer gut ist, im Windschatten der Bäume und Sträucher zu nächtigen. Als wir uns nach der lärmigen Nacht aus der Koje trauen stellen wir fest, das nicht nur unser Auto von oben bis unten voll ist mit Vogelschiss – auch hat der Sturm einiges an Salzwasser an unser Auto getragen. Eine Mischung die nicht nur mir in der Seele wehtut sondern vor allem am Leiterrahmen des Defenders nagt.
Zur Krönung stelle ich kurz vor dem Abfahren auch noch fest, das wir uns den ersten Nagel dieser Reise in den Reifen eingefahren haben. Also erstmal schrauben… Das erste mal seit langem. Ich freue mich schon fast ein bisschen… 😉



Nachdem wir den Reifen bei stürmischen Böen geflickt und montiert hatten ging die Reise endlich weiter. Das nächste Ziel war eine der letzten grossen Städte im Süden. Auf dem Weg nach Comodoro Rivadavia machten wir dann jedoch die bisher einschneidendste Erfahrung unserer Reise. Kaum zurück auf der RN3 sahen wir das völlig zerschellte Frack eines LandRover Defenders. “Leider” kannten wir die Insassen. Diese hatten zwei Nächte zuvor an jenem schönen Strand direkt neben uns genächtigt und wir hatten uns lange unterhalten. Als ich den in drei Teile zerbrochenen und durch das mehrfache Überschlagen völlig zerbärstete Gestell sehe wird mir schlecht. Ich war mir angesichts der Trümmer sicher, dass die Drei Insassen, zwei Franzosen und eine Schweizerin unmöglich überlebt haben können. Zum Glück hielt uns direkt neben der Unfallstelle die Polizei an – sie erkannten, das wir ebenfalls im Defender reisen und wollten wissen ob wir die Unfallopfer kennen. Die erste Gegenfrage war natürlich ob diese überlebt hätten. Haben sie laut der Polizei. Sie hätten wegen einer starken Windböe die Kontrolle über das Auto verloren und sind dann die Böschung neben der Straße hinunter gestürzt und befinden sich nun verletzt, aber Stabil weiter nördlich im Krankenhaus.
Ich und Ju unterhalten uns jetzt, gut zwei Wochen später, noch immer über diesen Vorfall. Es gibt einem viel zu denken und lässt mich nun sicher überlegter und vorsichtiger handeln als ich es zuvor schon tat. Ein Defender, auch unserer, ist schließlich nicht für seine Sicherheit bei einem Crash bekannt…
Etwas schwermütig und nachdenklich vom erlebten verbringen wir die Nacht darauf hinter einer YPF Tankstelle und reden viel – dennoch es bleibt ein bitterer Beigeschmack auf der Zunge nachdem wir dieses Horror Szenario sahen.
Am nächsten Tag ging es in der grossen Stadt auf Besorgungstour. Mein erstes Anliegen war natürlich den Vogeldreck und das Salz vom Defender zu holen. So machten wir ein Autowäscher sehr glücklich mit unserem eher exotischem Vehikel. Ich glaube kaum, das in dieser Waschanlage schonmal ein Wagen gründlicher gewaschen wurde. 😉

Über Riesen grosse Ölfelder ging es nun weiter zur ersten eigentlich Touristenprovinz in Patagonien. In Perito Moreno tauschen wir, wegen der Kälte, das erste mal unseren Defender gegen eine Cabana. Die Kälte von bis zu minus einem Grad und das Erlebte verlangen nach ein bisschen Abwechslung. Wir genießen zwei ruhige Nächte in einem Bett neben dem Holzofen, waschen unsere angesparte Wäsche und Kochen bei etlichen Flaschen gutem argentinischen Wein.



Von Perito Moreno aus sollte es eigentlich über die RP41 aus weiter Richtung Süden gehen. Als wir schon zwei stunden unterwegs waren kam uns ein Paar entgegen, dass wir ebenfalls unterwegs kennengelernt hatten und vermeldete, dass kein durchkommen sei. Etwa auf höhe des “Paso Roballo” lag noch gut zwei meter Schnee auf der Piste. Glücklich für uns trafen wir sie – sie waren schon zwei weitere stunden hin zur Schneewand unterwegs.
Retour über die berühmte Routa 40 ging es nun also weiter ans nächste, beeindruckende Ziel: El Chalten. Bei regen und Schneeflocken erreichten wir das Städtchen. Leider war vom berühmten Fitz Roy noch nichts zu sehen. Dafür jede Menge Touristen und damit auch der bisher teuerste Campingplatz unsere Reise. Tags darauf werden wir aber bereits bei gutem Wetter für die Unkosten entschädigt. Auf einer Wanderung zum “Laguna de los Três” bieten sich uns unvorstellbar schöne Szenerien von unberührter Natur.









Das wir es an diesem Tag bei unserer Wanderung ziemlich übertrieben haben, bekomme ich am gleichen Abend noch zu spüren. Wir legten an diesem Tag eine strecke von 24 Kilometern bei einer Höhendifferenz von ges 2200 Metern zurück. (Hin- und Rückweg) Die letzten 750 Höhenmeter bei den letzten zwei Kilometern des Hinweges. Meine Knie sind seither unbrauchbar. Schmerzen habe ich schon bei Ein- und Aussteigen in unseren Defender. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall trotzdem! Ich denke jedoch, wir müssen unsere geplante zehntägige Wanderung im Torres del Paine Nationalpark nochmals überdenken beziehungsweise einkürzen…
Ein leckeres Essen in der Parrilla lassen wir uns in El Chalten ebenfalls nicht entgehen. Der Müdigkeit sei Dank bleiben wir eine weitere Nacht an diesem Ort verbracht und werden Tags drauf mit noch besserem Wetter überrascht. Zeit für die “berühmten” Bilder aus El Chalten.




Nach all den schönen Erlebnissen in diesem wunderschönen Teil Patagônias verlassen wir die Stadt auf zum nächsten Hotspot „El Calafate“. Hier erwartet uns der bis jetzt schönste Campingplatz auf dem wir bisher waren. Die ruhe selbst, riesig viel Platz, penibel sauber und gepflegt und all das mitten im Nationalpark neben dem Lago Roca. Wir genießen den Kontrast zum sonst so lauten Umfeld auf den üblichen Campingplätzen und werden überrascht von hunderten Hasen, Stinktieren und einer Vielzahl verschiedenster Vogelarten. Auch die Strecken durch den Nationalpark lassen nicht zu wünschen übrig und das “Offroader-Herz” schlägt höher.













Das eigentliche Hauptziel in El Calafate war natürlich der zweitgrößte Gletscher Südamerikas. Der Gletscher namens Perito Moreno ist eindrücklich und schlicht unbeschreiblich. Die schiere Größe und die Geräuschkulisse des krachenden und knarrenden Eis lässt einen vor Ehrfurcht erstummen. Wir haben unwahrscheinliches Glück und können sogar auf Video festhalten, wie eine riesige Eisscholle abbricht. Unvergessliche Erlebnisse. Natürlich lasse ich es mir ebenfalls nicht entgehen am Ufer des Gletscher-Sees Eis für einen Drink mitzunehmen. Natürlich, das beste Eis, dass ich je hatte 😉









Nach all dem Erlebten geht’s für uns nun zu auf die Südlichste Stadt der Welt. Ushuaia ist gefühlt nur noch ein Steinwurf entfernt. Bald wird’s nämlich auch Zeit für wärmere Gegenden. Die Kälte zerrt, vor allem nachts und morgens an uns. Dennoch können wir es kaum beschreiben wir herrlich alles um uns herum ist.
Bis bald mit vielen lieben Grüßen von uns beiden,
geschrieben am 21.November 2023
David & Juliane
Ich hoffe, dass ihr nicht mehr schrauben müsst! Die Bilder sind überwältigend! 🙏
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Hallo ihr zwei Weltenbummler, liest sich ja alles sehr spannend und super schöne Bilder. Freue mich schon auf den nächsten Bericht 😂👌ganz viel Spaß und unvergessliche Eindrücke weiterhin und passt auf euch den Defender gut auf 👍😊 ganz liebe Grüße Annette
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