Angelangt in der Südlichsten Stadt überhaupt.
Nach unseren wunderschönen Tagen in El Calafate, in den wir den Gletscher genossen haben, machten wir uns auf zur letzten Etappe in Richtung Süden. In El Calafate wollten wir noch einmal Geld abheben, was momentan in Argentinien kein leichtes Unterfangen ist. Die enorme Inflation im Land treibt das Geschäft der schwarz-Wechselstuben ordentlich voran. So bekommt man für den Euro auf dem Schwarzmarkt bis zu elfhundert Pesos anstatt den offiziellen 390.
Da wir leider nicht so viel Bargeld von zu Hause mitgenommen haben, sind wir auf WesternUnion angewiesen. Diese wechseln ebenfalls Geld zum „schwarzen“ Kurs und man kann direkt von seiner Kreditkarte Geld beziehen.
Für Touristen ist das natürlich herrlich… Essen wie ein König zu zweit mit bestem Fleisch und Wein in top Restaurants für rund 30€, für uns noch besser – der Liter Diesel in Argentinien kostet uns rund 25 Cent.
In El Calafate machten wir den Plan leider ohne den Haufen Touristen. Vor allem Franzosen, aber auch Europäer aus dem rest der Union schwadronieren durch die Straßen. Die Wartezeit in der Schlange der örtlichen WesternUnion Filiale ist rund vier Stunden. Die eifrigsten stehen schon zwei Stunden vor dem öffnen vor der Filiale in der Schlange. Höchstbetrag zum abheben ist ebenfalls begrenzt… mir ist das ganze an diesem Tag (zum Glück) zu blöd. Wir gehen einkaufen und rüsten uns für die nächsten Tage in der Wildnis und bezahlen für dieses mal mit dem schlechteren Kurs und Karte. Auf dem Weg aus der Stadt stellen wir fest – die Warteschlange hat sich um 10 Uhr morgens aufgelöst. Das Geld war alle. Frustrierend für diejenigen die schon vier Stunden anstanden…
Von El Calafate aus ist ein langes Stück bis man wieder in die nächste Stadt kommt. Wir nehmen es gemütlich und verbringen eine Nacht kurz vor der Chilenisch – Argentinischen grenze neben einem Vulkankrater. Der Wind pfeift uns derart um die Ohren, dass wir uns dafür entscheiden das Dachzelt nicht zu öffnen und schlafen, eng zusammengedrängt, unten im Auto.

Früh am nächsten Morgen gehts in Richtung Grenze. Für den Landweg nach Ushuaia muss man nämlich durch Chile fahren und dort eine Fähre nehmen. Die Formalitäten am Grenzübergang sind schnell erledigt. Da Chile und Argentinien immer noch keine guten Freunde sind (…) darf man keine Tierischen und Pflanzlichen Produkte über die Grenze nehmen. Chile ist dahingehend extrem streng und verhängt vor allem Touris aus diesem Grunde gerne horrende Geldstrafen. Unsere restlichen Früchte, Käse, Wurst und Milch geben wir schnell einem Argentinischen LKW-Fahrer durchs Fenster der gerade aus Chile kommt und sich sehr über unsere Geste freut. Die meisten schmeißen ihre restlichen Lebensmittel nämlich einfach in den grossen Container der am Grenzübergang steht, was ich persönlich absurd finde.

Kurz nach dem Grenzübergang in Chile stehen früh morgens in der Kälte zwei Tramper… das Pärchen scheint überglücklich als wir anhalten. Wir zeigen ihnen den eher begrenzten platz hinten in unserem Defender. Trotz Verrenkungen sind sie schneller im Auto als ich schauen kann.
Das argentinischer Paar freut sich über die „netten“ gringos und stellt viele Fragen. Als ich mit guten 80 Sachen über die ausgefahrene Waschbrettstrasse in Chile fahre kann er kaum glauben wie cool so ein Defender ist… 😉 Wir fragen warum die beiden nach Ushuaia reisen und sind verblüfft mit der Antwort. An diesem Wochenende soll in der sonst wirklich ruhigen Stadt das größte jemals gewesenes Rockkonzert stattfinden. „La Renga“ so der Name der Band. Damit löst sich unsere Vorstellung der ruhigen, idyllischen Stadt in Luft auf. Es werden 30‘000 Leute erwartet – weit mehr als es Betten in der Stadt hat. Dort angekommen stellen wir überrascht fest, dass nicht nur das Rockkonzert stattfindet, sondern zudem auch noch das Jährliche Motorradtreffen, ein Campervantreffen und zur Krönung auch noch die Aida Sol und die Hanseatic Nord angelegt haben.
Wir laufen wortwörtlich wie Pinguine durch die volle Stadt und schauen, dass wir niemanden auf die Füße treten. Die Rockfans schlafen trotz Kälte auf der Strasse. Parkplätze gibt es nicht mehr – es scheint die Anarchie zu herrschen. Wir lachen und nehmen es locker, etwas anderes ist eh nicht zu machen. Zum Glück haben wir unser Daheim auf rädern dabei. Die Freude in der „südlichsten Stadt der Welt“ angekommen zu sein ist trotzdem ungebremst.


Unsere Nächte verbringen wir etwas außerhalb auf einem Reiterhof. Dort verbringen wir auch den „ersten“ Geburtstag auf unsere Reise. Zum Geburtstag bekommt Jú einen Ausritt durch die atemberaubenden Landschaften in Tierra del Fogo. Ohne jegliche Erfahrung auf dem Rücken eines Pferdes war ich mehr als überrascht, das Pferde nicht nur galoppieren sondern auch klettern und schwimmen können. Etwas mulmig war mir jedenfalls als unser Gaucho den ersten Steilhang hinab steuerte. Der Tag war jedoch wunderschön und eine unvergessliche Erfahrung.









Die Stadt Ushuaia, der Beagle Kanal und alle weiteren Highlights rund um die südlichste Stadt der Welt wären jedoch alles nichts, wenn wir nicht bis ans absolute Ende der RN3 Fahren würden. Kilometer null sozusagen. Also machen wir uns auf ans eigentliche „Ende der Welt“ zumindest an das befahrbare. Stolz und glücklich kommen wir an. Es ist schon ein cooles Gefühl hier zu sein, mit dem eigenen Auto. Wir beide sind gleichermaßen stolz und zufrieden. Ab jetzt, zumindest theoretisch, wieder auf dem langen Heimweg und ab jetzt auch nur noch in Richtung NORDEN! Endlich wärmere Gegenden denken wir uns als wir tags drauf in Richtung Puerto Natales, Chile steuern.

Zurück in Chile angekommen stellen wir schnell fest, dass das Leben hier ein anderes ist. Zumindest preislich. Statt wie gewohnt den Liter Diesel für rund 25 Cent sind es hier stolze 1,25€ – das schmerzt ganz schön in der Reisekasse. Das gleiche gilt für Lebensmittel und Eintritte in die Nationalparks.
In Puerto Natales angekommen kümmern wir uns als erstes um die Fähre, die wir diese Woche noch nehmen. Um den schonmal gefahrenen Weg nicht wieder in Richtung Norden zurückfahren zu müssen, nehmen wir den Umweg durch die Patagonischen Fjorde mit der „Navimag“. Freudig sehen wir ebenfalls, das am Ankunftshafen die Temperaturen Tagsüber sowie auch nachts rund 10 Grad mehr betragen. Die Kälte und vor allem der ständige Wind gehen uns je länger je mehr auf die Nerven.
Der geplante W-Trek im Torres del Paine Nationalpark hat sich ebenfalls in einem regnerischen Sturm aufgelöst. Der Wind hier ist wirklich nicht zu unterschätzen. In unsere Navigationsapp „IOverlander“ finden wir Bilder von umgewehten Campern und Zahllosen eingedrückten Scheiben an Autos. Der wind ist teilweise so stark, das sich rund um die geparkten Autos kleine Wirbelstürme bilden, die Steine aufwirbeln und somit Scheiben einschlagen – unglaublich, wenn wir es nicht selbst gesehen hätten. Da es bei unserer Ankunft im Nationalpark derart regnet und stürmt nutze ich die Gelegenheit „eingeschlossen im Auto“ eine längst überfällige Reparatur am Armaturenbrett vorzunehmen. Im inneren hatte sich ein Halteblech gelöst das auf den hunderten Kilometer langen Schotterpisten unaufhörlich klapperte. Einmal mit dem Schrauben angefangen, wurde gleich noch der Scheibenwischer Motor zerlegt und geschmiert… Man ist ja nicht umsonst Mechaniker 😉



Ans schlafen im Dachzelt ist daher erstmal nicht zu denken. Wir gönnen uns für die zwei Tage Wartezeit bis zur Ankunft unserer Fähre eine edle Cabana und genießen das „Hundswetter“ in der heißen Badewanne. Trotz aller Schönheit hier im Süden… Ich kann es kaum mehr betonen: Wir freuen uns auf die Wärme…
Mit herzlichen Grüßen an alle unsere Freunde und Leser,
geschrieben am 30. November in Puerto Natales, Chile,
David & Juliane