Die Zeit vergeht wie im Flug. Und so ist es jetzt schon über zwei Wochen her, dass wir von uns hören lassen haben. Das soll aber nicht etwa bedeuten, dass es uns schlecht geht – im Gegenteil! Die letzten zwei Wochen hatten so einiges zu bieten.:
Nach unserem Offroad-Abenteuer im Villarica Nationalpark ging es weiter in den etwas zugänglicheren Conguillo Natinalpark. Dieser lockt ebenfalls mit unglaublichen Sehenswürdigkeiten. Neben weit ausgebreiteten, vor etlichen Jahren erkalteten Lava-Feldern über die ältesten Aurakarien Bäume bis hin zu den klarsten Seen die ich je sehen durfte.
Auf dem Weg dorthin kreuzten wir das kleine Städtchen Melipeuco. Ein kleiner Ort in der Provinz Cautín. Bereits im Jahr 2017 besuchte ich diesen Ort und wir hatten eine Wunderbare Zeit auf einem kleinen Eco-Campingplatz. Was mir von damals noch in Errinerung blieb, war Hermano, der Besitzer des Platzes und gleichzeitig Bauer auf dem anliegenden Hof. Nach ein bisschen Suche fand ich den Platz wieder – schon beim einfahren auf dem Hof kam uns Hermano entgegen – ich erkannte ihn sofort wieder. Er war durchaus verblüfft, als ich ihn mit seinem Namen ansprach. Und schon kamen wir uns Gespräch… es ging eine Weile bis er Verstand, warum ich plötzlich und so erfreut bei ihm hereinplatzte.


Aus dem anfänglich geplanten besuch wurden schließlich zwei Übernachtungen. Wir wurden zum essen eingeladen, es wurde berichtet und erzählt. Ausserdem wurden wir mit frischem Gemüse und selbst gemachten Marmeladen und anderem eingemachten Spezialitäten überhäuft. Damals wie heute beflügelt mich die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Chilenen.
Nach vielen Gesprächen, guten Wünschen und einem gemeinsamen Frühstück geht unsere Reise jedoch trotz aller Gastfreundschaft weiter.
Ebenfalls aus dem Jahre 2017 kenne ich den Nationalpark Melipeuco noch. Ich kann mich noch gut an die klaren Seen erinnern und freue mich, als wir den ersten dieser Seen erblicken. Es ist ein lustiges, gar unbeschreibliches Gefühl, wenn man an einem Ort ist, den man das letzte mal vor ungefähr sieben Jahren das letzte mal besucht hat. Hie und da schiessen einem Erinnerungen ins Gedächtnis und ich sehe mich vor dem geistigen Auge mit meiner 450 Rally durch den Park rasen. Irgendwie bin ich froh, jetzt im Defender zu sitzen. Wenn die Landschaft links und rechts von einem langsamer vorbeizieht bekommt man viel mehr mit. Ich weiss noch, damals hat mein „Speed“ oft für Streitigkeiten mit meinem alten Herrn gesorgt – heute, vielleicht eine Spur weiser als damals wage ich zu verstehen warum es so schön ist langsam durch die Gegend zu Fahren und die unglaublichen Naturwunder wahrhaft aufzusaugen.








Nach unsere Fahrt durch den Nationalpark mit vielen Flashbacks ins Jahr 2017 ging es anschließen auf neuen Wegen weiter. In einem engen Tal, in dem noch viele Indigene leben finden wir ein schönes Nachtlager neben einem Fluss. Bei Sonnenschein am nächsten Morgen versuche ich die Morgendliche Wäsche im Fluss zu unternehmen, und stelle aber schnell fest, dass das Wasser so kalt ist, dass es sogar an den sonst eigentlich weniger empfindlichen Gliedmaßen schmerzt.


Nach einem weiteren Nachtlager an der Chilenisch / Argentischen grenze ging es anschliessend weiter ins Argentinische Las Lajas. Dort angekommen stellen wir erschrocken fest, was während unser kurzen Argentinien-Pause erneut mit der Wirtschaft passiert ist. Der Amtsantritt des gewählten Präsidenten hat den Spritpreis über Nacht teils verdoppelt und die Inflation noch weiter vorangetrieben. Wir kommen beim Einkaufen mit ein Paar Leuten ins Gespräch. Die Stimmung kurz vor Weihnachten ist gedrückt. Ein Metzger erzählt uns genervt das er das, was er hier verkauft sich selbst kaum mehr leisten kann. Es ist ein Trauerspiel und ich wünsche mir für die Menschen das sich diese Situation bald bessert.
Nachdem wir in Chile unsere Lebensmittel aber auch Kraftstoffvorräte fast vollkommen aufgebraucht haben ging es nun nach unserem Großeinkauf weiter in Richtung Norden. Der Argentinische Wein-Hotspot Mendoza lag zum greifen nah. Wir hatten uns vorgenommen ein paar Nächte in dieser Stadt zu bleiben und der wunderbaren Weinkultur zu frönen.
Auf dem Weg gen Norden ging es weiter über die berühmte, unterdessen schon fast zu Autobahn ausgebauten Routa 40. Für ein paar Highlights ließen wir diese aber gerne links liegen und stießen mehr oder weniger durch Zufall auf den „Salto del Agrio“ ein atemberaubender, wegen der Abgelegenheit von Touristen geschonter Wasserfall ganz in der Nähe eines aktiven Vulkans. Der besagte Vulkan ist so aktiv, das dessen Rauchschwaden unsere Nase mit dem schwefligen Geruch von faulen Eiern füllt. Am Fluss entlang sehen wir, wie das Wasser die Steine wegen der gelösten Mineralien und vulkanischen Chemikalien rostrot färbt. Noch bevor wir ankommen hören wir die herabstürzenden Wassermassen rauschen – und dann endlich erblicken wir einen der schönsten Wasserfälle den ich je gesehen habe. Wir haben ihn ganz für uns alleine und genießen anmutig diese Schönheit.





Weiter Richtung Mendoza bleiben wir in dem Örtchen Chos Malal hängen. Der Müdigkeit halber machen wir mal wieder halt auf einem Campingplatz und befürchten wegen unserer Erfahrungen mit Argentinischen Campingplätzen schon schlimmeres, sind dann aber sehr angenehm überrascht als wir fast ausschliesslich Overlander treffen. Zur Freude von Ju treffen wir ein brasilianisches Pärchen, dass ebenfalls in einem Defender durch Südamerika reist. Wir verstehen uns sehr gut und tauschen uns gründlich aus. Da sie vom Norden herkommen und wir aus dem Süden reisen gibt es allerhand zu erzählen,
Nach einer weiteren Nacht in der Wildniss ging es dann schließlich in die große Stadt Mendoza… und wie heisst es so schön? Pass auf was du dir wünschst – es könnte in Erfüllung gehen. Als wir in die Stadt hereinfahren zeigt es im Wetterbericht 40 Grad im Schatten an. Das Thermometer im Auto steigt sogar auf fast 50 Grad als wir uns durch den Stau quälen. Sage und schreibe 50 Grad Temperaturunterschied zu zwei Wochen vorher.
Wir freuen uns, als wir endlich unser gemietetes AirBnB erreichen und stellen uns unter die Kalte Dusche. Kulinarisch hat Mendoza einiges zu bieten. Und so genießen wir für ein paar Tage feine Restaurants und guten Wein.



Entlang einer längst stillgelegten Bahnlinie, die zwischen den frühen Zwanzigerjahren und bis in die siebziger Jahre Mendoza mit Santiago de Chile verbunden hatte, ging es zu Weihnachten in die Chilenische Hauptstadt. Zeit um wieder einmal Freunde zu besuchen die ich damals, 2017 kennengelernt hatte. Wir genossen die Gastfreundschaft von Ari-Dan und Coni, die sich rührend um uns kümmerten und uns die Stadt und ihr Leben darin zeigten. Ausserdem war es nach weit über 10‘000 gefahrenen Kilometern auch Zeit endlich einen Service an unserem „dicken“ zu machen. Gonzalo, „Talo“ wie er auf Santiago-Spanisch heisst, lud mich zu sich nach Hause ein um dort zu schrauben. Ihn, sowie auch Ari-Dan lernte ich ebenfalls 2017 kennen, als ich damals mit meiner 450 Rally bei der örtlichen KTM-Vertretung aufschlug. Damals ein kurzer Besuch – doch die Freundschaften blieben erhalten.







An unserem heiligen Abend in der Chilenischen Hauptstadt genossen wir unsere Zweisamkeit, wenn auch mit etwas Heimweh nach unseren Familien. Um dem Heimweh etwas zu trotzen improvisierten wir uns trotz Hitze ein feines Raclette – somit war der heilige Abend gerettet. 😉
Damit wünschen wir euch allen eine frohe Weihnacht und hoffen, dass ihr zwischen den Jahren genau so schön entspannen könnt wie wir! Bis bald mit lieben Grüßen aus den Anden,
David und Juliane – geschrieben am 26.12.2023 in Pichasca.