
Bevor uns Bolivien mit dieser wahnsinnig schönen Szenerie empfing, genossen wir nach unserer Puna-Tour ein paar Tage zum ausruhen und “Wunden lecken” in Salta. Das uns in Bolivien, nach kurzer Zeit schon, eine Art Kulturschock erwartet hätten wir anfangs nicht erwartet…
Die Strapazen der Puna-Tour waren nicht nur uns, sondern auch dem Defender anzumerken. Unterwegs ist unsere Tankanzeige verreckt und mir fiel sogenanntes “Spiel” in der Lenkung auf, dass sich durch ein Klacken in den Kurven verdeutlichte. Außerdem wollte ich ohnehin einen Check der gesamten Aufhängung und des Chassis durchführen, bevor es für uns weiter geht. Denn während die Beschaffung von Ersatzteilen in Argentinien und Chile noch recht einfach möglich sind, wird es in Bolivien schon eher schwierig.
Da ich keine Lust hatte, auf dem Boden kniend und unter dem Auto liegend den Tank auszubauen um den defekten Sensor zu reparieren, verbrachten wir einen weiteren Tag in einer Garage an. Für mich als Mechaniker ist es immer wieder interessant in Werkstätten zu stehen, die nicht den europäischen Standards entsprechen. Ich liebe es, wie improvisiert wird und wie die Mechaniker noch wirklich Mechaniker sein müssen. Es werden nicht einfach Ersatzteile bestellt, die noch am gleichen oder spätestens am Folgetag eintreffen – es wird repariert oder man kennt jemanden, der jemand kennt, der weiss wie man das Teil flicken kann.
So machten wir uns mit der ausgebauten Dieselpumpe und der darin befindlichen defekten Leiterplatine auf, zu eben einem solchen “Specialista” der mit Lötkolben, etwas Kupferdraht und reichlich Geschick die defekte Platine reparierte. Geld wollte der nette Herr auf dem Foto übrigens keins von uns. Für ihn war es eine Ehre einem „Gringo“ einen Gefallen zu tun. Selbst das Trinkgeld winkte er ab – wir haben es in seiner Werkstatt verstecken müssen.


Nach vollendeten Reparaturen an unserem Defender und weiteren Tagen der Entspannung in der Stadt ging die Tour schließlich weiter. Von Salta aus nahmen wir die Routa 9 in Richtung Norden. Aus den Bergen kommend, sahen wir Tagelang keine Bäume, Sträucher oder sonstiges Grün mehr – dies änderte sich von jetzt auf nichts als wir die Stadt verließen. Links und rechts der engen Passstraße stehen plötzlich wieder dichte Wälder und eine Vielfalt von Tieren läuft und kriecht vor uns über die Strasse. Diesen Tapenwechsel genießen wir und Tanken uns am Grün und der Waldluft auf, merken aber auch gleich wie schön es doch in den Bergen ist weit ab von allen Stechmücken und anderem Ungeziefer.




Kurz darauf folgte weiter nördlich unsere Grenzübertritt nach Bolivien. Der Grenzübergang zwischen La Quiaca, Argentinien und Villazón, Bolivien ist chaotisch. Wir haben Mühe uns einen überblick zu verschaffen und in dem Gewusel von Menschen um uns herum werden wir von einem Bürocontainer zum nächsten geschickt. Bei der Kontrolle von den Bolivianischen Zöllnern müssen wir unsere mitgebrachte Drohne vorzeigen und befürchten schon das schlimmste als der Zöllner uns und die Drohne genau mustert. „Not permitted in Bolivia“ schreit er uns schon beinahe entgegen. „Only with camera“. Das war unser Glück und Stichwort. Den der gute Herr übersah schlicht die Abdeckung der Kamera an der Drohne und verspielte damit seinen Trumpf und die Drohne war zurück in unseren Händen. Nach einer Desinfektion des Autos waren wir dann also im vierten Land unserer reise. BOLIVIA!
Nach den ersten gefahrenen Metern und einsätzender Dämmerung stellten wir fest, dass hier alles ein bisschen anders ist. Der Verkehr ist verrückt. Gefahren wird, aus welchen Grund auch immer, auch bei völliger Dunkelheit oft ohne Licht. Nicht selten kommt uns nach einer Kuppe ein Fahrzeug entgegen und wir erkennen es im letzten Moment. Ebenso stellen wir fest, das die Bolivianischen „Caminhoneiros” (LKW-Fahrer) nicht den geringsten Respekt für fremdes Leben haben. Überholt wird auch bei Gegenverkehr, es liegt dann an einem selbst auf die Dritte, eigentlich nicht vorhandene Spur auszuweichen.
Nichts desto trotz erreichen wir noch am gleichen Tag unseres Grenzübertritts ein wunderschön gelegenes Camp, das tief in einer Schlucht liegt. Auf der Abfahrt werden wir begleitet von einem goldenen Sonnenuntergang mit Regenbogen über das gesamte Tal. Fast wie im Film…






Unser erstes grosses Ziel in Bolivien war der weit bekannte Salar de Uyuni. Leider machten wir unsere Reisepläne dieses mal ohne das Einverständnis unserer Körper. Ich holte mir irgendeinen Käfer und sass auf der Toilette fest. Juliane hatte plötzlich die Grippe. Die ersten Symptome traten leider erst auf, nachdem wir unsere Touren über den Salar gebucht hatten…
Unseren anfänglichen Plan, selbst über den Salar zu fahren verwarfen wir, da der Salzsee mit einer Wasserschicht überzogen war und selbst die trockeneren Stellen eher feucht und klebrig gewesen sind. Defender Fahrer wissen, dass der größte Feind des Britischen Blech-Konstruktes, Rost ist. Deshalb verzichteten wir auf dieses sicher einmaliges Erlebnis die Nacht im eigenen Auto dort zu verbringen und bevorzugten es, eines der örtlichen Reiseunternehmen zu konsultieren, um deren Toyotas dem Rost zu opfern… 😉
Da das Wort „Rückerstattung“ im Bolivianischen nicht zu existieren scheint, traten wir trotz unseren „Leiden“ die Tour an. Und trotz Krankheit und vor allem viel „Durchhaltevermögen“ ohne WC weit und breit brachte uns der Salar unheimlich schöne Momente ein. Nach der beinahe 15-Stündigen Tour sanken wir halbtot in unser Nest. Unvergesslich bleiben die Momente auf dem Salar jedoch trotzdem.










Unserer persönlichen Meinung nach hat Bolivien, abseits von den unverkennbaren Naturwundern, relativ wenig zu bieten. Die Städte sind unserer Meinung nach sehr hässlich. Es mangelt an einer funktionierenden Müllabfuhr oder zumindest an den minimum an Lust den Müll an irgendeinen geeignetem Ort zu sammeln. In Uyuni selbst liegt der Müll knietief an den Nebenstraßen und wird im besten Fall nachts an Ort und Stelle verbrannt. Es stinkt permanent nach verbrannten Plastik und leider weht es die zahllosen Plastiktüten sogar bis über den Salar. Bestimmt trete ich den einen oder anderen mit dieser Aussage auf die Füße – jedoch erstreckt sich dieses Bild für uns über fast ganz Bolivien und uns beiden gefällt es schlichtweg nicht. Vielleicht ist es auch ein Zusammenspiel mit unserem „Gesundheitszustand“ diese Tage… doch wir beschleunigen unser Tempo recht um Bolivien bald nach unserer Ankunft wieder zu verlassen. Natürlich nicht, ohne vorher die Hauptstadt LaPaz zu besuchen. Und siehe da… der gekehrte Handschuh.
Die knapp drei-Millionenstadt pulsiert 24/7, lockt mit Zahlreichen feinen Restaurants und einem Überangebot an schicken Läden und Einkaufsmöglichkeiten. Ein unterschied wie Tag und Nacht vom rest der Städte die wir in Bolivien sahen. Es ist sogar annähernd sauber in den Straßen. Absolutes Highlight ist für uns aber, die Stadt aus der Vogelperspektive zu sehen als wir mit der Seilbahn über die Dächer schweben. Denn LaPaz hat seit 2014 das größte Seilbahnnetz der Welt, das in der Stadt als öffentliches Verkehrsmittel dient. Qualität „Made in Austria“ von Doppelmayer. Eine Investition von mehr als 235 Millionen US-Dollar. So viel zum krassen Kontrast zum rest des Landes wo Investitionen eher schwer zu erkennen sind.






Nach der Tagestour durch die aufregende Stadt platzt mir am Abend bei einem aufeinandertreffen der anderen Art fast der Kragen.
Wir sehen in LaPaz viel Schönheit, einladende Architektur aber vorallem überwiegt die Armut. Bei mir persönlich breitet sich beim Anblick solcher Kontraste, vorallem im Hinblick auf unseren Luxus den wir im Moment leben, meist viel Schamgefühl und Andacht aus.
Nicht so jedoch bei unserer Deutschen Auslandsvertretung. Unser lieber Botschafter in LaPaz, lässt sich im hunderttausende Euros kostenden Mercedes-AMG durch die Stadt fahren, die sich eigentlich hervorragend mit den ÖPNV erreichen lässt. Der Drecksack hatte Glück, hatte ich gerade nichts zum werfen in der Hand. Auf diese Auseinandersetzung hätte ich es sehr gerne ankommen lassen.
Nach ein paar weiteren Tagen in der Stadt, in der wir uns von Magenbeschwerden und Grippe erholen ging es weiter an den größten See in Südamerika. Vorher stand jedoch die Fahrt aus der Stadt an, die ich im nachhinein als große Herausforderung beschreiben würde. La Paz ist bekannt für die steilsten Straßen der Welt. Zum Teil werden Steigungen von bis zu 60° erreicht. Als wir in Richtung Mercado Alto fahren, muss ich im Fahrersitz aufstehen, da ich sonst nur noch die Spitze unserer Motorhaube und Häuserdächer sehe. Vorwärts gehts ohnehin nur noch mit untersetztem Getriebe und viel Schwung. Bloß nicht stehen bleiben denke ich mir… doch zum Glück hält uns nur wenig auf, auf dem Weg aus der Stadt. Dennoch brauchen wir in dem dichten Verkehr knapp zwei Stunden um aus der Stadt zu kommen.


Kurz darauf kommen wir am Lago Titicaca an. Riesig erstreckt er sich neben der Strasse und wirkt eher wie das Meer als der See, der er schließlich ist. Bei der Überfahrt mit dem selbst gezimmerten Boot kommen mir ein paar Zweifel. Jedoch geht alles gut und wir kommen trocken in Copacabana an, der Stadt der der Copacabana in Rio de Janeiro ihren Namen gibt.







Hier genießen wir unsere letzten Tage in Bolivien bevor es weiter geht in das nächste Land unserer Reise. Peru erwartet uns mit offenen Armen, dazu jedoch bald mehr in einem anderen Text.
Bis dahin senden wir euch liebe Grüße aus Huacachina, Peru
Geschrieben am 23. Januar 2024
David & Juliane
Tolle Bilder.
Unterhaltsam geschrieben.
Hat Spass gemacht, das zu lesen.
Gruss Pit
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