Es kommt mir vor wie gestern, als wir in Erzingen am Bahnhof auf Wiedersehen gewunken haben und in Richtung unseres Abenteuers durch die Americas gestartet sind.

Jetzt, rund 170 Tage später, sitzen wir zusammen neben unserem Defender und genießen die letzten Sonnenuntergänge am Uruguayischen Atlantik, bevor es in ein Paar Tagen in Richtung Hafen geht, zwecks Autorückverschiffung und dann auch schon bald mit dem Flieger zurück in Richtung Heimat…
Während wir an genau diesem Sonnenuntergang sitzen lassen wir nochmal revue passieren, welche unglaublichen Dinge wir erlebt haben in diesem knappen halben Jahr. Welches Glück wir so oft hatten, welch unglaubliche Naturwunder wir sahen, die coolen Bekanntschaften die wir gemacht haben, Freunde die wir nach Jahren wiedergesehen haben, und die Zehntausende Kilometer die wir in unserem Defender gesessen haben und als Paar noch näher zusammengewachsen sind.

Ich denke vor allem mit einem Wort können wir unsere Reise abschließen. Stolz. Wir sind Stolz auf die vielen Kleinigkeiten, die unsere Reise zu diesem perfekten Erlebnis gemacht haben. Stolz auf unseren Defender, der ohne Mucken und Husten all unsere Spinnereien mitgemacht hat und uns an die entlegensten Orte gebracht hat. Stolz auf uns beide, wie wir es geschafft haben all die Tage in unserem zweieinhalb Quadratmeter Defender-Wohntraum zu leben, ohne uns die Augen auszukratzen. 😉
Bevor ich jedoch zum eigentlich Abschluss dieser Reise komme und, zumindest für meinen Geschmack, ein paar beeindruckende Eckdaten verraten kann, bleibt noch einiges zu erzählen von unserer letzten Strecke von Sao Paulo zurück nach Montevideo, Uruguay.
Die Zeit in der Großstadt bei Julianes Familie verging wie immer im Flug. Trotzdem, dass ich ja quasi im Urlaub vom Urlaub bin stresst mich die Stadt mit ihrem Überangebot doch jedes mal wieder nach ein paar Tagen. Es ist laut, es stinkt und der Stresslevel der anderen „Ameisen“ in diesem Riesen Haufen überträgt sich auch auf mich. Während Juliane in ihrer Heimatstadt die etliche Termine wahrnimmt und viele bekannte trifft, fange ich an, mich um die eigentliche Rückreise zu kümmern. Der anfängliche Plan, im Container vom Brasilianischen Santos nach Hause zu schicken löst sich schnell im Bürokratie Chaos der Behörden auf. Für ein Rücktransport im Container von Montevideo aus, bin ich leider knapp dran. Ich finde auf die schnelle keinen „Container-Buddy“ mehr, mit dem ich den 40‘ Fuß Container teilen könnte. Bleibt einzig und alleine das verhasste und von mir besonders verachtete verschiffen im RoRo Verfahren. (Roll on, Roll off) Man gibt sein Auto „unverpackt“ im Hafen ab, und es wird beim Eintreffen des Schiffs von Hafenmitarbeitern in den Frachtraum gefahren.
Das Problem an RoRo ist, dass es auf den Schiffen Gang und Gebe ist, dass in Fahrzeuge eingebrochen wird und alles geklaut wird was nicht Niet und Nagelfest ist. Die Geschichten die wir von anderen Reisenden unterwegs gehört haben sind Haarsträubend. Teils wurde sogar mit aller Gewalt das Fest montierte Equipment wie Laderegler oder Radio-Systeme heraus gerissen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ein anderer Traveler mit großem LKW erzählte mir es sei bei ihm noch weit schlimmer gewesen. Bei ihm im LKW habe nicht nur alles gefehlt was ansatzweise einen Wert hat, sondern es wurde bei ihm im Bett eine ganze Weile lang geschlafen, im Wagen geduscht und alles vollgeschissen… eine Horrorvorstellung. Vor allem wer mich kennt, weiss wie Heikel ich bin wenn es um unseren Defender geht. Leider sind mir in diesem Fall die Hände gebunden… Die Zeit ist knapp und der Wagen irgendwie nach Hause.
Als alle Formalitäten erledigt sind machen wir uns nach der grossen Abschiedsparty in Sao Paulo auf den weg. Wieder einmal in Richtung Süden.

Den weg zurück nach Uruguay würde ich, leider, als eher unspektakulär beschreiben. Viel Autobahn, viel Verkehr. Unser geplanter stop in Florianopolis versank in einem Apokalyptischen Regen. Und so ging es weiter und weiter der Küste entlang, bis wir Uruguay schließlich erreichten. Dort angekommen mussten wir ein Paar Tage warten. Die letzten Zolldokumente wurden an unser Logistik Partner geschickt, und wir fanden ein schönes Plätzchen am Strand an dem wir unserem letzten Vorräte aßen und tranken.

Wieder einmal war das Glück auf unserer Seite… am vermeintlich top geheimen Camp-Spot am Strand trafen wir den Schweizer Raphael, der wie wir ebenfalls auf die Rückverschiffung wartete. Er hatte Glück und erwischte einen Container. Generös bot er uns an, unsere Wertgegenstände einfach bei ihm in den Container zu packen. Ein Angebot das ich dankend angenommen habe und mich etwas ruhiger werden lässt mit der ganzen RoRo Situation.



Die letzten Abende vergingen schnell. Und dann kam auch schon wie im Flug der grosse Tag der Abgabe im Hafen von Montevideo. Vorher alles packen, alles nochmal prüfen und alle Details vom Auto auf Foto festhalten, sodass ich später im Fall der Fälle alles genau belegen kann. Dann ging es auch schon ganz schnell. Ein paar mal unterschreiben, vorsprechen beim Zoll und Defender mitsamt Schlüssel abgeben. Und ehe ich’s mir versehe fährt unser zuhause ohne mich auf einen Zoll Parkplatz und glitzert mir ein (hoffentlich nicht) letztes mal zu.

Erst in diesem Moment realisiere ich, dass es das nun tatsächlich gewesen ist und, dass unsere Reise nun dem Ende entgegen geht. Es überkommen mich alle Gefühle auf einmal. Schwierig, dass in Worte zu fassen. Aber eben… STOLZ! 🙂
Am selben Abend sitzen Juliane und ich das erste Mal seit langem wieder in einem Hotel rechnen uns ein paar coole Fakten und Daten unserer Reise zusammen.
- Wir sind in genau 161 Tagen 27‘300 Kilometer durch sechs Südamerikanische Länder gefahren.
- Dabei haben wir 16 mal eine Landesgrenze überfahren. Meistens die zwischen Chile und Argentinien.
- Wir haben unterwegs dreimal das Öl an unserem Auto gewechselt und ungefähr 3’200 Liter Diesel verbraucht.
- Wir sind durch drei verschiedene Zeitzonen gefahren und ausserdem von der Atlantikküste an die Pazifikküste und danach wieder zurück zum Atlantik.
- Wir haben auf unsere Reise insgesamt 6 Nächte auf Fähren verbracht.
- Wir hatten einen Platten reifen.
- Ich habe einmal eine Laterne umgefahren beim rückwärts einparken. 😉
- Wir haben einen versuchten Überfall vereitelt 😉
Noch viele weitere lustige Daten könnte ich aufführen für unsere Reise. Aber was blieb uns da noch zu erzählen wenn wir bald wieder zu Hause sind?
Mit unserem Abschiedslied im Kopf …♪♫ It‘s all over now, Baby Blue, verabschieden wir uns mit dem vorerst letztem Post auf unserem Blog und freuen uns riesig euch alle schon bald wieder bei uns zu Hause zu treffen.
Zu guter letzt möchte ich mich bei allen herzlich bedanken, die uns beiden geholfen haben diese Reise zu realisieren und an alle die dieses unvergessliche Erlebnis möglich gemacht haben.
Danke Juliane, auszuhalten, was ich mit meiner Abenteuerlust von dir abverlangt habe und danke, dass du mich mit deiner „Taffnes“ immer noch zu übertrumpfen weist.
Da, zu meiner Freude, von meiner Leserschaft immer mal wieder die Frage aufkam… wir freuen uns selbstverständlich auf eine Spende ins Reisekässchen. 🙂 PayPal: david.spitznagel@ymail.com
Mit lieben Grüßen aus Montevideo… David & Juliane












