Am Nachmittag des 22. Oktobers bringt uns Luca zum Flughafen in Orlando. Zeit Abschied zu nehmen. Abschied nicht nur von den Vereinigten Staaten, sondern vorallem auch von Luca und Nayara die wir teils Jahre nicht mehr gesehen haben.

Leider wird es wohl wieder eine Weile dauern, bis wir uns wiedersehen. Jedoch hält sich der Abschiedsschmerz auch in Grenzen wenn man bedenkt, was uns nun für ein Abenteuer, wenn nicht sogar ein neuer Lebensabschnitt bevorstehen werden.
Am Flughafen in den USA bekomme ich den Überwachungsstaat nochmals zu spüren. Der grimmige Typ der Boarder Patrol inspiziert Pässe und Gepäck. Fragt wohin wir reisen und wann es wieder nach Hause geht. Zu sagen, dass man das nicht genau wisse wann es als nächstes wohin geht war die falsche Antwort – nach ein paar Minuten kommt der Supervisor. Ich erkläre ihm die Situation erneut und erkläre ihm das wir in Südamerika mit dem Auto weiter reisen. Nach weiteren fünf Minuten gab’s dann wortlos den Stempel in den Pass. Seltsam – dabei wollte ich doch einfach nur ausreisen.
Beim Flug mit Avianca denke ich an unsere Zwischenlandung in Kolumbien und den Avianca Flug 203, den Absturz verursacht durch das Kartell, und die ganzen Geschichten und Mythen die sich um Pablo Escobar spinnen.
Bestimmt ist es ein Risiko mit dem eigenen Auto durch die Südamerikanischen Länder zu reisen. Andererseits muss ich sagen, dass ich unterdessen mehr als ein Jahr meines Lebens durch südamerikanische Länder gereist bin und noch nie etwas nennenswert negatives geschehen ist. Weder mit der Polizei noch mit der Bevölkerung. Im Gegenteil – die allermeisten Begegnungen sind durchweg positiv. Bezahlte Schmiergelder in Argentinien bei meiner Südamerikareise 2017 tue ich mal als Auslandshilfe ab… dieses Mal werde ich schlauer sein – hoffentlich 😉
Unser Flug in Richtung Uruguay war sehr mühsam. Wir saßen in alten, lottrigen Airbus a310 – die Sitze auf engste Weise gestuhlt und unbequem, keine Getränke und kein Essen unterwegs. Der Anschlussflug in Bogota verspätete sich wegen schlechtem Wetter um mehr als vier Stunden.
Nichtsdestotrotz erreichten wir am nächsten Morgen Montevideo. Immer noch kalt und regnerisch, aber nun waren wir da, wo unser Auto eigentlich schon sein sollte.

Im Hostel angekommen machte ich mich trotz Müdigkeit zusammen mit Juliane auf den Weg zum Verzollungsbüro! Es wurde langsam Zeit für unser Auto! Nach einem Besuch bei unserem Spediteur in Montevideo und der Beschaffung aller notwendigen Dokumente auf dem Migrationsamt kam relativ schnell die ernüchternde Nachricht, dass das Schiff sich mindestens zwei Tage verspätet.


Wir vertrieben uns also die Zeit in Montevideo mit sightseeing, Cocktails und Spaziergängen durch die Stadt. Am Donnerstagabend saßen wir am Hafenbecken und erwarteten sehnsüchtig unser Schiff. Und tatsächlich – da lief sie ein die „Grande Nigeria“.


Am nächsten Morgen die nächste Ernüchterung – die Ladung des Schiffs wird erst Freitagnachmittag gelöscht. Ans verzollen ist Wochenends nicht zu denken. Wir werden auf Mittwoch vertröstet und entschließen und kurzerhand die Wartezeit in Buenos Aires zu verkürzen. Eine wunderbare Idee!
Buenos Aires ist eine der schönsten Städte die ich in Südamerika schon gesehen habe. Die gepflasterten Gassen und Strässschen versprühen viel Geschichte und Flair.
Es wird Tango getanzt, Musik gespielt und gelebt als gäbe es kein Morgen. Das Leben geht jedoch erst nachmittags los und geht dafür aber bis spät nach Mitternacht.
Auf einem Spaziergang über den größten Flohmarkt den ich je gesehen habe finde ich allerlei coole Antiquitäten, wunderschöne Handwerkskunst und kuriose Gestalten.









Was für mich auf nicht fehlen durfte war der Cementerio Recoleta. Gänsehaut macht sich breit. Ich lasse meine Neugier ausleben, schaue in die Gräber sehe die gestapelten Särge und zähle die Rippchen die teils aus dem Jahre siebt zehn hundert stammenden Särgen während Juliane sich das Fürchten lehrt. Eine andere Welt! Bei uns zu Hause in Europa undenkbar.




Freudig schaue ich auf den Kalender und merke, dass besagter Mittwoch der Abholung unseres Autos näher kommt. Für mich wird es schließlich und endlich Zeit die Stadt zu verlassen und raus ins grüne zu fahren! Am 31. Oktober ging es also mit der Fähre und Bus zurück nach Montevideo. Unser Verzoller Eduardo Kessler bestätigt nochmals den Termin für die Abholung – ich grinse bis über beide Ohren hinaus und bin so aufgeregt, dass ich sogar Mühe habe einzuschlafen am Vorabend.
Und dennoch, kam der Moment der Wahrheit. Durch zig verschiedene Büros und Anlaufstellen im Hafen schlenderten wir schließlich in Richtung Container Terminal – und da war er endlich: Der gleiche Rostrote Container mit der Nummer ACLU 977990 3 den ich Wochen zuvor in Hamburg zurückgelassen habe. Wir beide können uns kaum halten vor Freude.



Nachdem alle Formalitäten vor Ort abgeschlossen waren ging es endlich los. Nach fünf Wochen im Container eingesperrt, den Schlüssel im Zündschloss gedreht und dankbar springt der Td5 an – es sind die kleinen Dinge, die einen Defender Fahrer freut 😉 noch im Hafen wird vollgetankt und wir Fahren aus der Stadt hinaus – ein wirklich unbeschreibliches Gefühl das für andere bestimmt schwierig zu verstehen ist. Mir jedoch läuft eine Träne über die Wange als ich vor mir die grosse grüne Weite sehe und im Rückspiegel die Stadt. Tatsächlich… es geht endlich los!
Unser erstes Ziel war für nun Colonia, eine Posada von zwei schweizer Auswanderern die aus der Fernsehserie “Auf und Davon” bekannt sind. Ein wahres Idyll haben sich Susanne und Ruedi aufgebaut haben. Wir werden herzlichst mit feinem Essen und guten Gesprächen empfangen. Ich schmunzle als hier mitten in Südamerika auf Emmentaler-Deutsch begrüßt werde und genieße die Geschichten und Erzählungen uf schwizerdütsch.
Leider regnet es am Folgetag in zwei Stunden fast vierzig Liter. Trotz widrigen Bedingungen machen wir unseren Landi für die bevorstehende Reise parat – Die Kisten werden wieder aufs Dach montiert, Wasser wird aufgefüllt, unsere Rucksäcke für nun verstaut und alles eingeräumt. Alles ist nass, und dennoch genießen wir die ersten zwei Nächte im Defender.



Weil wir dem Regen endlich entfliehen wollen, lassen wir die historische Stadt Colonia links liegen und machen uns auf Richtung argentinischer Grenze. Der Grenzübertritt geht fix, in einer halben Stunde sind wir durch. Angekommen an dem Schlafplatz den wir uns für diese Nacht herausgesucht haben stellen wir leider schnell fest, dass alles überflutet ist. Die Campingplätze die sich in Gualeguaychú am Rande der Ríos entlang schländern stehen teils zwei Meter unter Wasser. Wir treffen auf dem Parkplatz des örtlichen Supermarkts mehr oder weniger zufällig unsere Container Partner Petra und Jörg aus Berlin wieder und entscheiden uns aufgrund der Umstände die Nacht gemeinsam im Stadtpark zu verbringen. Es ist viel Betrieb in dieser Nacht und Autos fahren langsam an uns vorbei und inspizieren uns. Etwas mulmig und mit leichtem Schlaf verbringen wir die Nacht. Bei bestem Wetter aufgewacht stellen wir fest, das alles in Ordnung und noch immer an Ort und stelle war.



Für nun gehts also immer weiter Südwärts – das Fahren im Defender macht nach der langen Abstinenz richtig Spaß. So Fahren wir an den nächsten Standplatz neben einem schönen Fluss in der Stadt Tapalqué. Wir freuen uns über die erste Nacht bei klarem Himmel, kochen und trinken guten Wein. Leider liegt unser Standplatz neben der örtlichen Disco. Ich weiss nicht wie es dir geht, aber für mich kommt Reggaeton gleich einer Biblischen Strafe die vom Großteil der Südamerikaner völlig falsch aufgefasst wurde – hätte er es lieber mal wieder Frösche regnen lassen. Das wäre bestimmt einfacher zu verstehen gewesen. 😉



Bald geht’s weiter, immer Südwärts, wir lassen von uns hören!
Liebe Grüße aus der Provinz Tapalqué, Argentinien.
Geschrieben am 31. Oktober / 5. November 2023
David & Juliane
Super gschrebe, sehr spannend zum läse, froie üs of meh!! Grüessli
Nici und Desi 🫶🏻
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