
Wir genießen Chile und das endlich warme Wetter!
Nachdem wir Ushuaia und das „Ende der Welt“ hinter uns gelassen haben, setzen wir über in das bisher dritte Land unserer Reise. Chile. Nach meiner Südamerikareise im Jahre 2017 blieben die malerischen Landschaften und Naturwunder unvergessen – daher sind die Erwartungen sehr hoch.
Ebenfalls wie bei meiner letzen Reise durch Chile, damals mit dem Motorrad, nehmen wir dieses Mal ab Puerto Natales die Fähre gen Norden. Anfangs planten wir anstatt bis nach Puerto Mont nur bis nach Puerto Yungay zu shippern. Das wäre ungefähr die halbe Strecke wie Puerto Mont und hätte den grossen Vorteil gehabt, dass wir einen Großteil der Berühmten Carretera Austral fahren könnten. Leider war die Verbindung Natales – Yungay die kommenden zwei Monate ausgebucht. Uns blieb keine andere Wahl als direkt ca. 1000 Km weiter nach Norden zu fahren. Da uns im moment der Buchung eh mal wieder saumässig kalt war, kam uns der Umstand gerade recht… Natürlich ist es schade, dass wir dieses Spektakel der Schönheit verpassen – aber man kommt durchaus nicht zu kurz mit Naturwundern nördlich von Puerto Mont, wie wir schon kurz nach unserer Ankunft feststellen. Aber dazu später mehr…
Am Tag des Ablegens unseres Navimag Schiffs „Esperanza“ ging es nach dem langenWarten aufeinmal ganz schnell. Trotzdem das Schiff Chile nie verlässt stehen etliche Stationen erst beim Zoll, dann bei der örtlichen Schifffahrtsbehörde an, die Kopien von meinem und dem Fahrzeugausweis wollen. Zum Glück sind alle angestellten den Umgang mit Gringos gewohnt und sind daher sehr geduldig und hilfsbereit. Etwas bitter stößt mir auf, dass ich unseren heißgeliebten Landi nicht selbst aufs Schiff fahren kann… Kaum den Schlüssel im Zollfrei Lager abgegeben und unseren Rucksack für die Viertägige Reise auf dem Buckel stürmt schon ein „Caminoneiro“, ein LKW Fahrer, zu uns und ermahnt uns unbedingt alle Wertsachen aus dem Auto mitzunehmen – die Skipper klauen wie die Elstern. Danke für das ungute Gefühl, denke ich mir, und gehe zu Fuß zurück in Richtung Stadt. Auf das Boarding müssen wir nämlich noch bis 21.00 Uhr warten. Wir vertreiben uns den Nachmittag in Puerto Natales, wo ich die Zeit mit Spurensuche verbringe. Ich besuche das Hostel in dem ich damals war, leider vergebens suche ich die damalige Besitzerin, mit der wir eine sehr lustige Zeit verbrachten. Die Bar in der ich 2017 dermaßen abgestürzt bin gibt es ebenfalls noch. Ob sich in der Zwischenzeit viel an ihr geändert hat, weiss ich mich nicht mehr zu erinnern… 😉


Nach einem letzten Abendessen an Land ging es dann endlich aufs Schiff.
Die Zeit auf der Fähre genieße ich wahrhaftig. Zeit ohne schlechtes gewissen in aller Ruhe rein gar nichts zu tun. Man hat kein Netz oder WLAN – man muss sich nicht darum kümmern Essen zu kochen, man ist nicht „gezwungen“ Wanderungen zu schönen Spots zu unternehmen – man kann vier Nächte und Tage lang aus dem Fenster gucken, die unglaublichen Fjorde genießen, Karten spielen und quatschen. Herrlich! Und vor allem nach meiner Erkältung im Torres del Paine Nationalpark kam die Erholung mehr als gelegen. Wir lernen viele Leute kennen, erhalten Einladungen in die ganze Welt von den anderen Passagieren und tauschen Erfahrungen aus. Während die allermeisten Passagiere einzig und alleine die Fjorde und Ruhe auf dem Schiff genießen plagt mich nach einiger Zeit natürlich das gleichmäßige brummen des Schiffsdiesels. Nach kurzem Verhandeln mit der Besatzung verbringe ich zwei Stunden mit der Crew unter Deck und genieße eine Tour durch den Maschinenraum inklusive Wechsel einer Einspritzdüse an einem der Motoren. Die Crew war sichtlich überrascht über den ersten Passagier seit Jahren der sich unter Deck blicken lässt und dann auch noch mit anpacken will. Für mich unvergessliche Momente.












Angekommen in Puerto Mont stellen wir begeistert fest – es ist 10 Grad wärmer. Wir steuern auf die Ruta dos 7 Lagos zu und finden einen herrlich gelegenen Campingplatz am Ufer des Lago Ranco. Am Ort, an dem wir eigentlich nur für die Nacht bleiben wollten, blieben wir schließlich zwei Nächte und Tage und genossen den Sonnenschein. Das erste mal kam unser Stand-Up-Paddle zum Einsatz. Wie könnte es anders sein? Nach den Wochen im Kalten hole ich mir den ersten deftigen Sonnenbrand ein. Was für ein Tapetenwechsel denke ich mir…







Das nächste Ziel für uns war der Villarrica Nationalpark. Von weitem sehen wir schon den gleichnamigen Vulkan und sind überrascht, als wir die Rauchwolke über ihm sehen. Ich wusste nicht, das der Vulkan immer noch derart Aktiv ist. Nach einem kurzen Gespräch mit einem der Parkwächter sind wir schlauer. Das letzte Mal spuckte der Vulkan 2015 Feuer und ist seither nicht mehr wirklich zur Ruhe gekommen. Den Beweis dafür spüren wir noch in der gleichen Nacht, als die Erde beginnt etwas zu beben, und dies unser Defender etwas zittern lässt. Völlig normal beruhigte uns der gleiche Parkwächter tags darauf. Sehr gelegen kam uns ebenfalls eine Therme im Nationalpark. Für mich ein unglaubliches Wunder. In einem engen Tal, durch das ein eiskalter Gebirgsbach mit Schmelzwasser fließt, in dem etliche kleine Bäder angelegt sind, strömt kochend heißes Wasser aus dem Fels und hüllt das gesamte Gelände in dicken Dampf ein. Wir verbringen den ganzen Tag im heißen Wasser. Um den Kreisslauf ab und zu wieder in Schwung zu bringen verlasse ich das 40 Grad heiße Wasser und stelle mich in den 6 Grad kalten Wasserfall gleich nebenan. Die „Thermas Geometricas“ bleiben unvergessen.




Eine weitere Nacht verbringen wir im Nationalpark Villarrica. Netterweise lässt uns der Parkwächter im Nationalpark schlafen – dies ist sonst eigentlich streng verboten und wird auch nicht toleriert. Andere reisende erzählen, wie sie mitten in der Nacht geweckt und weg geschickt wurden. Wir glauben, der Parkwächter war vorallem froh, dass er mal wieder jemand zum Geschichten erzählen hatte. Das tat er nämlich mindestens eine Stunde lang, bevor wir wieder zu unserem Auto zurück durften…
Er warnte uns ausserdem ausdrücklich, wie gefährlich die Strasse durch den Nationalpark sei, und das es in dieser Saison noch kein einziges Auto geschafft hätte. Für mich natürlich fast schon eine Herausforderung… unbedingt wollte ich all die eingebauten Differenzialsperren und anderen „Offroad-Helferlein“ einmal ausprobieren. Und tatsächlich nahm die Strecke mich ordentlich in Anspruch. Für den acht Kilometerlangen Abschnitt durch den Park brauchten wir sechs Stunden. Dennoch kann ich Stolz sagen wir haben es geschafft. Ein absoluter Hochgenuss für den Ambitionierten Off-Roader.









Weiter gehts für uns in den kommenden Tagen Richtung Conguillo Nationalpark. Neben einer alten Bekanntschaft, ebenfalls aus dem Jahre 2017, besuchen wir einen weiteren Vulkan umgeben von unglaublichen Aurakarien Wäldern. Dann spätestens wird es aber mal wieder Zeit das Auto in Argentinien aufzutanken und unseren „Haushalt“ wieder zu komplettieren.
Geschrieben am 9.12.2023 im Villarrica Nationalpark, Chile.
David & Juliane
Lieber David, liebe Juliane…
jedes Mal wenn ich Eure Reiseberichte lese, erfreut es mich aufs Neue. So authentisch wie Du die Erlebnisse schilderst, hat man fast das Gefühl dabei zu sein.
Ich frage mich manches Mal, ob Du in der Schule auch so lässig von der Hand geschrieben hast. Was vermutlich nicht das gleiche ist, da Du es Dir jetzt nicht ausdenken muss sondern direkt dabei bist.
Das Erlebnis unter Deck, kann ich mir lebhaft vorstellen, ich denke Philipp hätte da auch seine größte Freude daran gehabt.
Kommt Ihr mit Eurem Englisch überall durch oder spricht man in Chile hauptsächlich Spanisch?
Ich freue mich immer wieder auf Deine/Eure News….
Lasst es Euch gut gehen und genießt die wärmere Gegend von seiner schönsten Seite.
Liebe Grüße aus dem schönen Klettgau
Alma Vonderach
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Das weckt Erinnerungen an 2017! 🙂
Gab es wieder allerhand Kühe und Schafe an Bord der Fähre?
Vielen Dank für die Eindrücke und die Bilder- Ganz viel Spaß auf Eurer Reise und viele Grüße aus dem kalten aber weihnachtlichen Nürnberg, Sandra
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