
Es kann nicht immer hundert Prozent rund laufen. Das stellen wir in Peru schnell fest. Das facettenreiche und bunte Land genießen wir trotzdem und ausserdem bringt Peru uns eine grosse Neuerung die den weiteren Verlauf unsere Reise deutlich verändert.
Peru ist wahrscheinlich das Land in Südamerika, dass kulturell am meisten zu bieten hat. Ebenso finde ich es von Anfang an atemberaubend, wie schnell sich hier alles um uns herum verändert. Man sitzt eine halbe stunde im Auto und ist in einer komplett anderen Welt. Hohe berge, steile Felswände teils grün bewachsen, teils roter Stein. Manchmal könnte man meinen, man befindet sich in den Schweizer Alpen, dann wieder auf dem Planeten Mars.
Unser erstes Ziel in Peru war Puno. Der Grenzübergang zwischen Copacabana und Yunguyo ist mehrheitlich von Touristen besucht. Was wir nach unseren vergangenen Grenzübertritten in Argentinien und Bolivien nicht mehr gewohnt waren, sind die harschen Kontrollen für importiertes Obst und Gemüse. Leider hatten wir uns schlecht informiert und hatten unsere letzten Bolivianos in Copacabana für reichlich frische Lebensmittel ausgegeben. Kaum an der Grenze angekommen, nahmen uns die beiden Damen vom Zoll mit einem breiten lächeln im Gesicht, genau diese wieder ab. Deren Abendessen für die nächsten Tagen war damit bestimmt gesichert… wir haben uns ganz schön darüber geärgert.

Der nächste Schrecken lies nicht allzu lange auf sich warten… Bei der temporären Einfuhr in Peru stellte ich fest, dass unsere gelöste Versicherung für die Mercosur-Staaten in Peru nicht gültig ist. Dankbar war ich dem hilfsbereiten Sachbearbeiter, der uns geholfen hat schnell eine Versicherung Online abzuschließen und diese sogar mit seiner Kreditkarte zu bezahlen – natürlich gegen Rückzahlung in Bar.
Wegen dem ganzen Trubel am Grenzübergang verloren wir fast drei Stunden. Unser Tagesziel, die Stadt Puno erreichten wir deshalb erst im dunkeln. Schnell stellen wir fest, dass Peru verkehrstechnisch Bolivien in nichts nachsteht, wenn die Fahrer nicht sogar noch ein bisschen furchtloser Laib und Leben riskieren um ein oder zwei Minuten früher am Ziel zu sein.
Unsere erste Nacht verbringen wir an einem schönen Pferdehof, fast neben dem Titicaca See gelegen. Der Besitzer ist Belgischer Abstammung und versorgt uns mit erstklassigen Infos für unsere kommenden Tage in Peru. Entlang dem Weg, der unter 34C bekannt ist überqueren wir die Anden in Richtung Arequipa. In den Bergen bekommen wir Einblick in das Leben der Bauern und bewundern die Traditionsreichen Kleider der Frauen. Ebenso bestaunen wir tausende Lamas und finden unterwegs sogar wilde Chinchillas. Diese sind ziemlich gut getarnt wie wir finden. So stellte ich erst beim Hochladen des unteren Fotos fest, dass sich zwei dieser Exemplare auf dem Foto verstecken…

Auf der 34C werden wir wenig später von heftigem Regen überrascht. Wobei überrascht vielleicht das falsche Wort ist – denn wie wir wissen ist Regenzeit in Peru. Innerhalb von Minuten verwandelt sich die Sandpiste in eine einzige Schlammlandschaft. Für unseren Defender ist das natürlich kein Problem. Wir kommen dank 4×4 überall hoch und runter. Allerdings sieht unser Wagen als wir in Arequipa ankommen aus als hätten wir ihn Hellbraun lackiert.

Da Arequipa über keinen Campingplatz oder einen ähnlichen geeignetes Nachtlager verfügt, stellen wir unser Defender in den Hinterhof eines Hotels. Wir sind nicht die einzigen, die diesem Tip folgen. So lernen wir ein weiteres Overlander Paar kennen, das wir noch das eine oder andere mal im Verlauf unserer Weiterreise treffen werden.
Arequipa strahlt vor Kultur, hier jedoch weniger mit der für mich viel interessanteren Inka-Kultur, sondern von der Christlichen, die die Spanier damals mitgebracht und hier eingeprügelt haben. Wunderschöne Kirchen, die größte Orgel Südamerikas und ein gepflegter Stadtplatz machen das Bild perfekt. Die Kirchen sind aus weißem Vulkangestein gebaut und geben allem einen einzigartiges Flair. Für uns auch eine willkommene Abwechslung ist, dass wir das erste mal seit längerer Zeit unter 2500 Höhenmeter kommen und wieder einmal tief und fest schlafen können.
Nach dem üblichen einkaufen und Auto waschen in der Stadt geht es für uns weiter nach unten, zumindest was die Höhenmeter angehen – vorerst.



Wegen den stets schlechter werdenden Nachrichten aus Ecuador, entscheiden wir in Arequipa ebenfalls unsere Route grundlegend zu ändern und dieses Land für nun auszulassen. In Ecuador wurde nämlich kürzlich der Kriegszustand ausgerufen und das Militär bekämpft mit aller Härte die dortige Bandenkriminalität. Der Handel mit Kokain hat Überhand genommen, nun greift der Präsident durch. Uns erreichen per WhatsApp Videos von anderen Overlandern von Schiessereien und anderen Ausschreitungen. Im Live-TV findet eine Geiselnahme statt. Wir entscheiden uns deshalb gegen eine Weiterreise in Richtung Norden. Aber dazu später mehr…
Nun geht es für erstmal in Richtung unseres nächsten Ziels Huacachina. Die kleine Oase am Rande der Stadt Ica ist bekannt bei vielen Touristen und vom Hörensagen recht überlaufen. Dennoch sind wir hin und weg von der Schönheit und Einzigartigkeit dieses Ortes.

Der Weg dorthin, von Arequipa aus, war eher unspektakulär… Wir entschieden uns dazu an der Küste entlang zu fahren, mehrheitlich um der extremen Höhe ein Paar Tage lang zu entfliehen. Als beeindruckend würde ich die Nazca-Linien bezeichnen, die um 800 v. Chr. von der Paracas-Kultur für Fruchtbarkeitsrituale in den Boden gescharrt wurden. Das Weltkulturerbe lässt sich Praktischerweise von errichteten Türmen aus Fotografieren.


Auf der halben Strecke erreichten wir ein kleines Städtchen mit einem Campingplatz direkt am Ozean gelegen. Weil ich Bargeld brauchte hielten wir vorher noch an einem Geldautomaten, der zum Ärger kein Geld ausspuckte sondern meine Karte einzog. Halleluja…
Natürlich war die Bank am Sonntag Mittag geschlossen und telefonisch lies sich rein gar nichts regeln. Am nächsten Morgen standen wir pünktlich vor der Bank – der Angestellte war leider sehr wenig an meiner misslichen Lage interessiert. Erst nach einigem verhandeln und gestikulieren bequemte er sich aus seinem klimatisierten Schalter um den Geldautomat endlich zu öffnen und mir die Karte wiederzugeben. Vorher hatte er mir aber 15 Minuten lang klar machen wollen die Karte wird vom Geldautomaten zerstört, wenn er diese einbehält, was natürlich völliger Blödsinn ist. Das mir entwichene „Arschloch“ hat er glaube ich sogar auf deutsch verstanden.
Am gleichen Tag ging es weiter nach Ica. Dort wartete endlich die ersehnte Oase auf uns. Huacachina ist ein winziger Ort, mehrheitlich frei von Wohnhäusern, dafür aber voll mit Hotels, Restaurants und tausenden „Gringos“ die die Wüste besuchen wollen. Wir gesellten uns ebenfalls zu den Touris und besuchten die Wüste bei einer, sogar für mich, sehr nervenaufreibenden Buggy-Tour durch die Wüste. Ich persönlich würde es als „Rally Dakar on a budget“ verkaufen. Jede menge Lacher gab es beim Sandboarden von den ewig hohen Dünen und wir hielten die unbeschreiblichen Lichtverhältnisse beim Sonnenuntergang auf etlichen Bildern fest.






Das beste an Huacachina war aber im Nachhinein etwas ganz anderes… auf dem Campingplatz stellten wir unseren Landi nämlich neben einem Kanadischen Paar auf. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass sich Matthew und Stacey aus British Columbia schon bald zu guten Freunden entwickeln würden und das ganze unsere weiterreise stark (positiv) verändert. Zuerst verabschiedeten wir uns jedoch in dem kleinen Oasen-Idyll voneinander. Nichtsahnend, dass unsere Wege sich schon bald wieder Kreuzen würden.
Für uns ging es nun erstmal weiter in Richtung Cusco. Wegen einem Erdrutsch auf der Hauptstrassse zwischen Nazca und Cusco entschieden wir uns deshalb für eine Route durch das Hinterland. Was auf der Landkarte aussah wie ein Katzensprung, war in Realität mehrere Tage fahrt durch unzählige Täler und Berge. Bei teils apokalyptischen Platzregen schlitterten wir schlammige Pässe erst hoch und dann wieder herunter. Zu unserem ärger stellten wir fest, dass beim letzten Autowaschen in Arequipa der Junge mit dem Kärcher etwas zu energisch auf unserem Dachträger herumgeturnt ist. Durch einen kleinen Riss an unserer Regenrinne tropfte mir Wasser auf den Schoss. Bei dem Pisswetter hatte ich keine Lust im Regen zu stehen um die Fuge abzudichten… also hielt Ju mir so gut es ging die tropfen vom Laib und den Dampf von der Scheibe. Defenderfahrer wissen, im Regen ist dank unterdimensioniertem Gebläse nicht viel los mit nicht anlaufenden Scheiben.



Wir konsultierten Google nach dem Weg, weil unser Garmin sich wieder einmal als unfähig erwiesen hatte, eine vernünftige Route zu generieren. So stellten wir leider fest, dass für die Strecke nach Cusco, Luftlinie 380 Kilometer, 1250 Kilomter gefahren werden müssen. Die Anden lassen sich schwer gerade überwinden, man klettert langsam seitlich an ihnen hoch, teils auf über 4800 Höhenmeter um dann auf der anderen Seite wieder herunterfahren, einzig und alleine um den nächsten Berg vor sich zu haben. Wir merken, langsam haben wir genug von den hohen bergen und den Anden.

Das fahren erwies sich als anstrengend und somit suchten wir uns eines Abends ein abgelegen Platz um zu nächtigen. Eine geeignete Stelle war schnell gefunden. Fernab von Dörfern oder einer anderen Form von Zivilisation fanden wir an einer vermeintlichen Sackgasse eine schöne stelle, bauten unser Bett auf und legten uns schlafen. Mit einem Riesen Schreck wurden wir um Mitternacht von einem Kerl geweckt der um unser Auto herumschleicht. Horrorszenario.
Noch immer im Halbschlaf, aber doch schon voller Adrenalin stellte ich schließlich fest – neben uns stand nun ein Polizeiauto der Peruanischen Behörden. …schonmal weniger schlimm dachte ich mir, als der „nette“ Herr mit gezogener Waffe mich darum bat aus meinem Auto zu kommen. Er fragte mich, was uns einfallen würde hier unser Auto abzustellen? Dieser Ort sei bekannt für Überfälle. Die Gauner würden Autos unten von der Hauptstraße holen und sie dann hier oben ausrauben. Außerdem würden gestohlene Autos hier abgestellt und dann weitertransportiert. Ich entschuldigte mich und nach langem hin und her meinte der Offizier ich könnte für heute Nacht hierbleiben, denn sie würden bis zum Morgengrauen unten an der Einmündung eine Polizeikontrolle durchführen. Ich bespreche also mit Ju hierzubleiben und mit den ersten Sonnenstrahlen am nächsten Tag aufzubrechen um weiterzufahren.
Leider wurde ich im Morgengrauen nicht von meinem auf fünf Uhr gestellten Wecker aufgeweckt, sondern wieder von Männern die um unser Auto schlichen und versuchen die Türen zu öffnen. Dieses mal waren es leider keine Polizisten, sondern zwei maskierte Männer. Im Schock von dem was da gerade passiert öffne ich das Fenster unseres Dachzelts und schreie und gestikuliere bis die zwei realisieren, dass sie hier mit Gegenwehr rechnen müssen. Mit meiner Axt in der Hand sehe ich zufrieden wie die beiden aufgeben und in ihr Auto steigen und davonfahren. Zitternd schließen wir in aller Eile das Dach und fahren mit Vollgas davon. Eine eher bescheidene Erfahrung, die noch einige Zeit nachwirken wird – zumindest jedes Mal wenn wir in der Wildnis unser Quartier aufschlagen. Jedoch hatten wir trotzdem riesen Glück das nichts passiert oder weggekommen ist… Nachdem wir meinem Cousin und seiner Peruanischen Ehefrau davon erzählten, meinten die Beiden, es sei gut möglich die Polizisten hätten uns an die Gauner verkauft. Augen auf bei der Platzwahl heist es für uns also in Zukunft.
Für die kommende Nacht entscheiden wir uns deshalb für ein Hotel um zu entspannen und den Schreck zu verdauen und wir geniessen den schönen Hotelgarten.









Endlich angekommen in Cusco wartete leider die nächste schlechte Nachricht auf uns. Wir wollten von der Stadt aus die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit Perus besichtigen: Machu Picchu.
Leider hatte sich die Peruanische Regierung dazu entschlossen den Verkauf der Eintrittstickets zu Privatisieren. Das stieß den unzähligen Familien die vom Tourismus leben übel auf. Streiks und Ausschreitungen waren die Folge. Die Zugstrecke zur Inka Ruine wurde blockiert und der Verkehr und Betrieb komplett eingestellt. Unsere sündhaft teuren Tickets für den Zug und unser Eintritt waren daher für die Katz… jedoch lässt es sich auch sonst wunderbar in der wunderschönen Stadt Cusco aushalten und wir besuchten all die offen gebliebenen Inka Stätten, Kirchen und feinen Restaurants. Und wie immer… in allem liegt etwas Gutes.:
Wir entschlossen uns am nahegelegenen Campingplatz zu warten um zu sehen ob sich die Lage bald wieder beruhigen würde. Vielleicht klappte es ja doch noch mit dem Machu Picchu. Durch Zufall trafen wir auf dem Campingplatz wieder auf viele, alte bekannte Gesichter. Plötzlich bildete sich eine bunter Haufen vieler Overlander um uns herum. Außerdem sahen wir unsere Kanadischen Freunde wieder, die zufällig auch dort aufkreuzten. Die „Wartezeit“ entwickelte sich zu einem wunderbaren Beisammensein mit anderen Gleichgesinnten bei guten Essen, Grillabenden und vielen fesselnden Gesprächen.














Leider ergab sich auch nach fast einer Woche warten in Cusco keine Besserung mit der Situation am Machu Picchu. Wir entschlossen uns deshalb weiterzufahren. Bei den vielen Gesprächen am Campingplatz begeisterten wir unsere Kanadischen Freunde und ein weiteres paar mit unserem nächsten Plan für die Reise. Absolutes Highlight und riesengroßes Glück ist für uns ausserdem, dass es sich bei den Kanadiern nicht nur um wirklich coole Gleichgesinnte handelt, sondern die beiden auch begnadete Filmemacher sind. Das heisst für uns also, wir haben die zweite Hauptrolle mit unserem Defender. Uns freut das natürlich riesig und es ist eine geniale Erinnerung. Aber seht selbst:
Wir entschlossen uns deshalb das nächste wirklich grosse Abendteuer im Dreierverbund zu starten. Eine wirkliche Challenge erwartet uns im nächsten Land das wir besuchen – aber zu mehr im nächsten Blogbeitrag.
Mit abenteuerlichen Grüssen,
David & Juliane
immer wieder Gänsehaut pur ! Geniesst die tolle Zeit
LG TT
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